Appendizitis
(appendicitis)

Last Update: 23.10.2026
HE-Schnitt der Appendix mit akuter Entzündung
Leitbefund: Neutrophile Entzündung der Muscularis propria bzw. Ulzeration
Formen: Phlegmonös, gangränös, perforiert
Cave: Eine rein mukosale Entzündung allein ist nicht beweisend.

Appendizitis

Allgemeines:

  • Definition: Entzündung der Appendix vermiformis; histologisch gesicherte akute Appendizitis bei neutrophiler Entzündung bis mindestens in die Muscularis propria oder bei Ulzeration. Rein mukosale Neutrophilie ist diagnostisch umstritten. 1, 2
  • Hauptformen: phlegmonös (suppurativ), ulzero-phlegmonös, gangränös und perforiert; begleitend Periappendizitis oder periappendikulärer Abszess.
  • Aufgabe der Pathologie: Appendizitis bestätigen bzw. ausschließen, Perforation/Sonderformen erkennen und inzidentelle NET sowie muzinöse Neoplasien ausschließen.

Klinik:

  • Symptome: Häufig periumbilikal beginnende, in den rechten Unterbauch wandernde Schmerzen; Übelkeit, Appetitlosigkeit, Fieber und Peritonismus.
  • Diagnostik: Klinischer Befund, Entzündungsparameter, Sonographie; bei unklaren Befunden ggf. CT/MRT. Risikostratifizierung z. B. mit AIR- oder Alvarado-Score. 15
  • Therapie: In der Regel laparoskopische Appendektomie; bei ausgewählten unkomplizierten Verläufen auch antibiotisch. Für die Pathologie sind Intervallappendektomien wegen der oft veränderten Histomorphologie besonders relevant.

Epidemiologie:

Häufige Ursache des akuten Abdomens mit einem Altersgipfel im Kindes- und jungen Erwachsenenalter. Die Appendektomie gehört zu den häufigsten operativen Einsendungen. Histologisch negative Appendektomien sowie Zufallsbefunde hängen wesentlich von Untersuchungstiefe und diagnostischen Kriterien ab. 2

Pathogenese:

  • Obstruktionsmodell: Lumeneinengung durch Appendikolith, lymphatische Hyperplasie oder selten Neoplasie → Druckanstieg, Stase, Ischämie und bakterielle Invasion.
  • Cave: Nicht jeder Fall beruht auf einer Obstruktion. Unterschiedliche entzündliche Verläufe, einschließlich spontaner Rückbildung und rascher Perforation, sind möglich. 2, 15

Makroskopie:

  • Typisch: Verdickte, gerötete Appendix mit fibrinös-eitrigen Serosabelägen, Lumeneiter und ggf. Wandnekrose, Abszess oder Perforation.
  • Gezielt prüfen: Basis/Absetzungsrand, Spitze, Mesoappendix, sichtbare Perforation, Kotstein, Divertikel, Knoten und äußeren Schleim (Verdacht auf muzinöse Neoplasie).
  • Wichtig: Eine unauffällige Makroskopie schließt mikroskopische Veränderungen nicht aus. 1
▸Zuschnitt und vollständige Einbettung
  • Standard: Länge/Durchmesser dokumentieren; Spitze längs, übrige Appendix quer lamellieren. Basis/Resektionsrand, Spitze mit Mesoappendix und mindestens einen weiteren Querschnitt einbetten. 1
  • Vollständig einbetten bei Neoplasieverdacht, Schleim/Dilatation, Dysplasie oder serratierter Läsion, unklaren epithelialen Veränderungen und isolierter Serositis ohne nachweisbare akute Appendizitis.
  • Intervallappendektomie: großzügige bzw. vollständige Einbettung sinnvoll wegen überrepräsentierter inzidenteller Neoplasien; dies ist keine starre altersbasierte RCPath-Vorgabe. 16

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Mikroskopie:

FormHistologische Merkmale
Mukosal / früh Neutrophile, Kryptitis/-abszesse, Erosionen auf die Mukosa begrenzt: nicht automatisch gesicherte akute Appendizitis.
Phlegmonös Neutrophiles Infiltrat mit Beteiligung der Muscularis propria, häufig transmural, ggf. intramurale Abszesse.
Gangränös Ausgedehnte Wandnekrose mit neutrophiler Entzündung.
Perforiert Wanddefekt mit Nekrose und periappendikulärer Entzündung/Abszedierung.
Periappendizitis Serositis; isoliert ohne Wandentzündung an extraappendikuläre Ursache denken.
▸Frühe / rein mukosale Appendizitis – diagnostische Kontroverse

Die Bezeichnung „katarrhalische“ oder „mukosale Appendizitis“ umfasst Kryptitis, Kryptenabszesse und oberflächliche Erosionen bei fehlender nachgewiesener Muscularis-Beteiligung. Nach RCPath ist eine ausschließlich mukosale Neutrophilie für eine gesicherte akute Appendizitis nicht ausreichend. Die Bewertung als frühe Appendizitis ist jedoch nicht einheitlich; klinisch-pathologische Studien beschreiben symptomatische Fälle ohne transmurale Entzündung. 1, 3, 4

Praxis: Bei klinischem Verdacht und nur mukosalen Veränderungen zusätzliche Stufen bzw. vollständige Einbettung erwägen; Befund deskriptiv formulieren und Enteritis/andere Ursachen berücksichtigen. „Phlegmonös“ nur bei eindeutiger entzündlicher Beteiligung der Wandmuskulatur verwenden.

▸Chronische und rezidivierende Appendizitis – Begriff und Histologie

Kontroverse: Eine eigenständige chronische Appendizitis ist nicht allgemein anerkannt. Ein Teil vermeintlich chronischer Fälle entspricht rezidivierenden akuten Entzündungsschüben, einem abgeheilten Prozess oder einer Intervallappendektomie. Ältere klinisch-pathologische Serien beschrieben rezidivierende Verläufe häufiger als eine histologisch isoliert chronische Entzündung. 2, 3

KonstellationWichtige histologische Hinweise
Rezidivierende akute Entzündung Fokal frische Neutrophile neben älteren Narben-/Regenerationszeichen; Anamnese entscheidend
Chronische Veränderungen Lymphoplasmazelluläre/eosinophile Infiltrate, Fibrose, Wandumbau oder luminale Obliteration – für sich allein nicht spezifisch
Intervallappendektomie Periappendikuläre Fibrose, xanthogranulomatöse Entzündung, Eosinophile, Fremdkörper-/Pulse-Granulome, teils Crohn-artige Muster und extramurale Muzinseen 6

Differenzialdiagnostisch immer Morbus Crohn, Yersiniose/Mykobakteriose, Fremdkörperreaktion, Divertikelentzündung und eine muzinöse Neoplasie abgrenzen. Bei fehlendem eindeutigem Korrelat ist „chronische Appendizitis“ zurückhaltend zu verwenden; besser das tatsächlich nachweisbare Muster beschreiben. 1, 6, 7

▸Morphologische Fallstricke – Histopathologische Abgrenzung
  • Granulome: Bei Intervallappendektomie sind epithelioid- oder fremdkörperartige Granulome nicht automatisch Hinweis auf Morbus Crohn; Yersinien, Tuberkulose und relevante Vorbehandlung einbeziehen. 6, 7, 8
  • Fibröse Obliteration / neurogene Appendikopathie: Spindelige, nervale Stromaproliferation (ggf. S100-positiv) kann eine derbe Appendixspitze verursachen; Abgrenzung zum kleinen NET beachten. 9
  • Divertikel und Muzinseen: Rupturierte Appendikular-Divertikel und postentzündliche extraluminale Muzinansammlungen können LAMN imitieren. Bei epithelialer Atypie oder muzinösem Befund vollständig einbetten. 1, 6, 10
  • Inzidentelle Neoplasien: Insbesondere an der Spitze nach NET, bei Dilatation nach LAMN/HAMN und bei diffuser Infiltration nach Becherzell-Adenokarzinom suchen. 11, 12, 13, 14
Diagnostische Schwelle: Nach RCPath sind neutrophile Granulozyten in der Muscularis propria oder eine Ulzeration entscheidend. Bei rein mukosaler Entzündung deskriptiv berichten und ggf. vollständig einbetten. 1, 2
▸Sonderformen und seltene Ursachen
  • Granulomatöse Appendizitis: Intervallveränderungen, Yersinia, Morbus Crohn, Tuberkulose u. a. berücksichtigen. Granulome allein beweisen keinen Morbus Crohn; bei klinischem Verdacht gezielte Erregerdiagnostik. 7, 8
  • Parasiten / Infektionen: Enterobius vermicularis kann auch ohne echte Wandappendizitis vorliegen; außerdem Aktinomyzeten, Schistosomen, CMV (Immunsuppression) und selten andere Erreger. 2
  • Divertikulitis: Entzündung um ein Appendixedivertikel; Ruptur und atypische Epithelveränderungen beachten. Die Assoziation mit appendikalen Neoplasien rechtfertigt sorgfältige Aufarbeitung. 10
  • Fibröse Obliteration / neurogene Appendikopathie: Häufig im Spitzenbereich, S100-positive spindelige Nervenelemente; differentialdiagnostisch kleine NET ausschließen. 9
  • Endometriose: Endometriumdrüsen und Stroma, oft in Muscularis/Serosa, teils mit entzündlicher Begleitreaktion.
  • Intervallappendektomie: Fibrose, Granulationsgewebe, xanthogranulomatöse Reaktion, Granulome und nur noch geringe aktive Entzündung möglich. 6
▸Inzidentelle Neoplasien – nicht übersehen
  • Neuroendokriner Tumor (NET): Oft an der Spitze. Größe, Ki-67/Grad, Ränder, Invasion in Mesoappendix, L/V/Pn dokumentieren; weiterführendes Vorgehen risikoadaptiert. 11, 13
  • LAMN / HAMN: Dilatation, muzinöses Epithel, Wandveränderung, extraappendikaler Schleim und ggf. Ruptur. Vollständige Einbettung; acellulären und zellhaltigen Schleim differenzieren. 12
  • Becherzell-Adenokarzinom: Infiltrative Becherzell-/glanduläre Tumorverbände, oft ohne ausgeprägte luminale Tumormasse; Gradierung nach spezifischen Kriterien. 14
  • Serratierte Läsion / Dysplasie: Bei dysplastischen epithelialen Befunden Appendix komplett aufarbeiten und proximalen Resektionsrand angeben. 1

Zytologie:

Für die gewöhnliche Appendizitis nicht erforderlich; peritoneale Schleimproben sind bei Verdacht auf eine muzinöse Neoplasie relevant.

Immunhistochemie:

Bei typischer Appendizitis nicht erforderlich. Nur gezielt zur Abklärung von Nebenbefunden:

  • NET: Synaptophysin, Chromogranin A, Ki-67. 13
  • Muzinöse Neoplasie: CK20, CDX2, SATB2; Herkunftsdiagnostik kontextabhängig (PAX8). 11
  • Neurogene Appendikopathie: S100 bei Bedarf. 9
  • Infektionen: z. B. CMV-IHC nur bei passender Morphologie und klinischer Fragestellung.

ImmunoCompare

Molekularpathologie:

Keine Routine-Molekularpathologie der akuten Appendizitis; bei granulomatöser Entzündung ggf. gezielte Erreger-PCR (z. B. Yersinia). Tumoranalysen erfolgen nach separaten Entitätskriterien. 8

Differentialdiagnosen:

DiagnoseLeitmerkmal / Abgrenzung
Rein mukosale Entzündung Keine Muscularis-Beteiligung; ggf. Enteritis oder frühe, histologisch nicht gesicherte Appendizitis.
Isolierte Periappendizitis Serositis ohne Wandappendizitis; extraappendikuläre Entzündungsquelle suchen.
Morbus Crohn / Yersiniose Granulome und transmurale Entzündung; Intervallreaktion ausschließen, Klinik/Erregerdiagnostik beachten.
Appendixdivertikulitis Fokale Entzündung um Divertikel, ggf. Ruptur; Neoplasieassoziation bedenken.
Fibröse Obliteration / NET Spitzenfibrose und neurogene Proliferate versus umschriebene neuroendokrine Neoplasie.
LAMN / HAMN Muzinöses Epithel, Wandumbau und ggf. extraappendikaler Schleim.
▸Isolierte Periappendizitis – wann an eine externe Ursache denken?

Eine serosale/subseröse Entzündung ohne Entzündung der eigentlichen Appendixwand spricht eher für eine extraappendikuläre Ursache: etwa gynäkologische Beckenentzündung, andere abdominelle Infektion, entzündliche Darmerkrankung oder selten spezifische Erreger. Die gesamte Appendix sollte bei isolierter Serositis histologisch untersucht werden, bevor eine echte transmurale Appendizitis ausgeschlossen wird. 1, 5

Praktische Befundung:

  • Unbedingt angeben: Form und Ausdehnung der Entzündung, Gangrän/Nekrose, Perforation, Periappendizitis/Abszess, ggf. Appendikolith und Sonderbefunde.
  • Bei Neoplasie: Tumortyp, Größe, Invasion, Ränder, Grad und erforderliche tumorspezifische Zusatzparameter.
Beispiel: „Akute ulzero-phlegmonöse, transmurale Appendizitis mit fibrinös-eitriger Periappendizitis. Kein Anhalt für eine Neoplasie.“
▸Digitale Präparate / Whole Slides – 7 direkt verlinkte Fälle

Direktlinks zur Indiana University School of Medicine. Die Zielseiten wurden geprüft; die Funktion der interaktiven Bildanzeige hängt vom jeweiligen externen Viewer ab.

Weitere Fälle: Indiana GI-Slide-Index · Leeds Slide Library (Suchseite). Die früheren Leeds-SVS-Direktlinks waren nicht zuverlässig erreichbar und wurden entfernt.

Literatur (16 Referenzen)

Die hochgestellten Ziffern führen direkt zur Quelle. Ein Klick auf das Dreieck öffnet die zugehörige Literaturangabe und die Abstract-Zusammenfassung.

[1] RCPath (2024) – GI-Tissue-Pathway / Appendektomie

Literaturangabe: The Royal College of Pathologists. Tissue pathways for gastrointestinal and pancreatobiliary pathology (G085), Version 3. London: RCPath; Oktober 2024. Abschnitt 3.1 Appendicectomy. rcpath.org

Kernaussagen des Leitfadens: Der RCPath-Leitfaden legt einen standardisierten pathologischen Arbeitsablauf für gastrointestinale Resektate und Appendektomiepräparate fest. Für die Appendektomie stehen eine angemessene makroskopische Untersuchung, gezielte beziehungsweise erweiterte Gewebeentnahme bei auffälligen Befunden und die nachvollziehbare histologische Dokumentation im Vordergrund. Dies ist ein Praxisleitfaden, kein Forschungsartikel mit eigenem Abstract.

[2] Pai & Mannan (2024) – Nichtneoplastische Pathologie der Appendix

Literaturangabe: Pai SA, Mannan R. Nonneoplastic pathology of the appendix: A review article, based on the recent literature. Am J Clin Pathol. 2024;161(5):418-429. doi:10.1093/ajcp/aqad175. PMID 38217538.

Abstract-Zusammenfassung: Diese pathologisch ausgerichtete Übersichtsarbeit stellt das breite Spektrum nichtneoplastischer Appendixveränderungen dar: akute und chronische Entzündungen, Infektionen, granulomatöse Prozesse, Endometriose, Divertikel und Befunde nach Intervallappendektomie. Im Mittelpunkt stehen konkrete Empfehlungen zur makroskopischen Präparation, mikroskopischen Differenzialdiagnose und Befundung. Die Autoren betonen, dass auch scheinbar routinemäßige Appendektomien klinisch relevante Zufallsbefunde enthalten können.

[3] Carr (2000) – Histopathologie der akuten Appendizitis

Literaturangabe: Carr NJ. The pathology of acute appendicitis. Ann Diagn Pathol. 2000;4(1):46–58. PMID 10684382.

Abstract-Zusammenfassung: Carr diskutiert die morphologischen Diagnosekriterien der akuten Appendizitis und weist auf verbreitete, nur schwach belegte diagnostische Annahmen hin. Vorgeschlagen wird eine Abstufung von intraluminaler beziehungsweise mukosaler Entzündung über phlegmonöse bis zu gangränöser Appendizitis und Periappendizitis. Der klinische Aussagewert der einzelnen histologischen Befunde wird kritisch eingeordnet.

[4] Mizumoto et al. (2018) – Mukosale Appendizitis

Literaturangabe: Mizumoto R et al. Dilemma of mucosal appendicitis: a clinico-pathological entity? ANZ J Surg. 2018;88:E284–E288. PMID 27806437.

Abstract-Zusammenfassung: In einer retrospektiven Auswertung von 1.347 Appendektomien wurde bei 219 Präparaten (16 %) eine auf die Mukosa begrenzte akute Entzündung diagnostiziert. Diese Patienten hatten im Mittel höhere Alvarado-Scores und berichteten häufiger über eine Besserung nach Appendektomie als Patienten mit vollständig negativer Histologie. Die Autoren sehen darin einen Hinweis auf die klinische Relevanz der mukosalen Appendizitis; die histopathologische Einordnung bleibt jedoch umstritten.

[5] Chaudhary et al. (2014) – Isolierte Periappendizitis

Literaturangabe: Chaudhary P, Nabi I, Arora MP. Periappendicitis: our 13 year experience. Int J Surg. 2014;12:1010–1013. PMID 25084099.

Abstract-Zusammenfassung: Unter 1.232 untersuchten Patienten fanden die Autoren 36 Fälle isolierter Periappendizitis, also einer Entzündung der Appendixserosa ohne begleitende eigentliche Wandappendizitis. Häufige Ursachen waren Salpingitis, andere entzündliche Beckenerkrankungen, Typhusenteritis und Peritonealtuberkulose. Für die Pathologie bedeutet eine isolierte Serositis, dass eine extraappendikuläre Entzündungsquelle berücksichtigt werden sollte.

[6] Mostyka et al. (2023) – Histologie nach Intervallappendektomie

Literaturangabe: Mostyka M, Yantiss RK, Chen Z, Tseng-Chen Y. Interval Appendectomy Specimens: Potential Mimickers of Important Inflammatory and Neoplastic Conditions. Arch Pathol Lab Med. 2023;147(5):546–551 (online veröffentlicht 2022). doi:10.5858/arpa.2021-0485-OA. PMID 36084245.

Abstract-Zusammenfassung: Die Autoren untersuchten 100 Intervallappendektomien nach vorangegangener konservativer Behandlung. Häufig waren eosinophile Wandinfiltrate und periappendikuläre Fibrose (jeweils 54 %) sowie xanthogranulomatöse Entzündung (31 %). Besonders wichtig sind morphologische Imitatoren: Granulome können Morbus Crohn oder Infektionen vortäuschen, und Divertikel, Becherzellhyperplasie sowie intramurale Schleimseen können mit muzinösen Neoplasien verwechselt werden.

[7] AbdullGaffar (2010) – Granulomatöse Appendizitis

Literaturangabe: AbdullGaffar B. Granulomatous diseases and granulomas of the appendix. Int J Surg Pathol. 2010;18(1):14-20. doi:10.1177/1066896909349246. PMID 20106828.

Abstract-Zusammenfassung: Die Übersichtsarbeit beschreibt granulomatöse Appendizitis als seltenes Reaktionsmuster mit infektiösen und nichtinfektiösen Ursachen. In westlichen Populationen sind besonders Yersinien und Morbus Crohn relevant; in anderen Regionen spielen Tuberkulose und Parasitosen eine größere Rolle. Eine „idiopathische“ granulomatöse Appendizitis ist eine Ausschlussdiagnose, die klinisch-pathologische Korrelation erfordert.

[8] Lamps et al. (2001) – Yersinien bei granulomatöser Appendizitis

Literaturangabe: Lamps LW, Madhusudhan KT, Greenson JK, Pierce RH, Massoll NA, Chiles MC, et al. The role of Yersinia enterocolitica and Yersinia pseudotuberculosis in granulomatous appendicitis: a histologic and molecular study. Am J Surg Pathol. 2001;25(4):508-15. doi:10.1097/00000478-200104000-00011. PMID 11257626.

Abstract-Zusammenfassung: In 40 Fällen granulomatöser Appendizitis gelang bei 10 Fällen (25 %) ein molekularer Nachweis pathogener Yersinien. Typische, aber nicht spezifische Merkmale waren epithelioide Granulome mit lymphozytärem Saum, transmurale Entzündung, Kryptitis und Ulzeration. Die Histologie allein unterschied Yersinia-positive und -negative Fälle nicht zuverlässig; die PCR kann deshalb bei entsprechender Fragestellung diagnostisch besonders hilfreich sein.

[9] Peisl et al. (2021) – Neurogene Appendikopathie

Literaturangabe: Peisl S, Burckhardt O, Egger B. Neurogenic appendicopathy: an underestimated disease-systematic review of the literature. Int J Colorectal Dis. 2021;36(9):1995-2005. doi:10.1007/s00384-021-03901-1. PMID 33839889.

Abstract-Zusammenfassung: Das systematische Review umfasst 40 Veröffentlichungen zur neurogenen Appendikopathie. Die Autoren beschreiben eine Appendizitis-ähnliche, oft rezidivierende Schmerzsymptomatik bei fehlender akuter histologischer Entzündung und nachweisbarer S100-positiver spindelzelliger beziehungsweise Schwann-Zell-Proliferation. Diese Konstellation sollte insbesondere bei klinisch symptomatischen, mikroskopisch entzündungsarmen Appendektomiepräparaten bedacht werden.

[10] Lim et al. (2020) – Appendixdivertikel und Neoplasien

Literaturangabe: Lim CSH, Cheah SY, Kwok AMF, Ravindran P, Chan DL. Systematic review and meta-analysis of the association between diverticulosis of the appendix and neoplasia. ANZ J Surg. 2020;90(10):1871-1877. doi:10.1111/ans.15811. PMID 32207873.

Abstract-Zusammenfassung: Die Metaanalyse aus 11 Studien fand Appendixdivertikel bei etwa 1,74 % der untersuchten Präparate. Eine begleitende Neoplasie war bei Appendixdivertikeln deutlich häufiger als in Präparaten ohne Divertikel (26,94 % gegenüber 1,28 %). Der Befund unterstreicht die Notwendigkeit einer sorgfältigen histologischen Untersuchung, insbesondere im Hinblick auf muzinöse und andere epitheliale Neoplasien.

[11] ICCR (2026) – Berichtsstandard für Appendixtumoren

Literaturangabe: Misdraji J et al. Tumours of the Appendix: Histopathology Reporting Guide. 1st ed. ICCR; August 2026. ICCR-Datensatz.

Kernaussagen des Leitfadens: Der ICCR-Datensatz (1. Auflage 2026) standardisiert die histopathologische Berichterstattung über Appendixkarzinome und muzinöse Neoplasien in Resektionspräparaten. Er definiert obligate und ergänzende Berichtsparameter, unter anderem Tumortyp, Ausdehnung, Resektionsränder und weitere prognostisch relevante Befunde. Es handelt sich um einen Berichtsstandard, nicht um eine Studie mit eigenem Abstract; gut differenzierte NET sind ausdrücklich nicht Teil seines Geltungsbereichs.

[12] Carr et al. (2016) – PSOGI-Konsensus zu muzinösen Neoplasien

Literaturangabe: Carr NJ, Cecil TD, Mohamed F, Sobin LH, Sugarbaker PH, González-Moreno S, et al. A Consensus for Classification and Pathologic Reporting of Pseudomyxoma Peritonei and Associated Appendiceal Neoplasia: The Results of the Peritoneal Surface Oncology Group International (PSOGI) Modified Delphi Process. Am J Surg Pathol. 2016;40(1):14-26. doi:10.1097/PAS.0000000000000535. PMID 26492181.

Abstract-Zusammenfassung: Eine internationale Expertenkonsensusgruppe erarbeitete eine einheitliche Terminologie für muzinöse Appendixneoplasien und Pseudomyxoma peritonei. Bevorzugt werden die Kategorien LAMN und HAMN; die Bezeichnung muzinöses Adenokarzinom soll einer infiltrativ invasiven Neoplasie vorbehalten bleiben. Die Arbeit bildet eine wichtige Grundlage für reproduzierbare histologische Klassifikation und Befundsprache.

[13] Kaltsas et al. (2023) – ENETS-Leitlinie Appendix-NET

Literaturangabe: Kaltsas G, Walter T, Knigge U, Toumpanakis C, Santos AP, Begum N, et al. European Neuroendocrine Tumor Society (ENETS) 2023 guidance paper for appendiceal neuroendocrine tumours (aNET). J Neuroendocrinol. 2023;35(10):e13332. doi:10.1111/jne.13332. PMID 37682701.

Kernaussagen des Leitfadens: Die ENETS-Leitlinie aktualisiert die Empfehlungen zur Diagnostik, Risikoeinschätzung, operativen Therapie und Nachsorge gut differenzierter neuroendokriner Appendix-Tumoren. Entscheidungsrelevante histopathologische Faktoren sind insbesondere Tumorgröße, Grading beziehungsweise Ki-67, Resektionsstatus und weitere Risikomerkmale. Der Leitlinientext berücksichtigt auch Unsicherheiten bei kleinen und intermediär großen Tumoren; es handelt sich nicht um eine Primärstudie.

[14] Bell & Pai (2023) – Becherzell-Adenokarzinom

Literaturangabe: Bell PD, Pai RK. Goblet cell adenocarcinoma of the appendix: an update and practical approach to diagnosis and grading. Hum Pathol. 2023;132:183-196. doi:10.1016/j.humpath.2022.06.002. PMID 35691370.

Abstract-Zusammenfassung: Die Übersichtsarbeit behandelt das Becherzell-Adenokarzinom als eigenständige Appendixneoplasie mit amphikriner Differenzierung. Sie erklärt den Wandel von älteren Bezeichnungen wie „goblet cell carcinoid“ zur heutigen WHO-Terminologie und diskutiert Morphologie, Immunphänotyp, Molekularpathologie und Grading. Für die Routine steht die Abgrenzung vom gut differenzierten NET und von anderen Adenokarzinomen im Mittelpunkt.

[15] Di Saverio et al. (2020) – WSES-Appendizitis-Leitlinie

Literaturangabe: Di Saverio S, Podda M, De Simone B, Ceresoli M, Augustin G, Gori A, et al. Diagnosis and treatment of acute appendicitis: 2020 update of the WSES Jerusalem guidelines. World J Emerg Surg. 2020;15(1):27. doi:10.1186/s13017-020-00306-3. PMID 32295644.

Kernaussagen des Leitfadens: Die evidenzbasierte WSES-Leitlinie fasst die Diagnostik und Therapie der akuten Appendizitis anhand systematischer Literaturbewertung und Expertenkonsensus zusammen. Sie behandelt klinische Scores, Bildgebung, Antibiotikatherapie, Appendektomie und das Vorgehen bei komplizierten Verläufen. Für die Pathologie liefert sie vor allem den klinischen Kontext, in dem Appendektomiepräparate entstehen; der Schwerpunkt liegt nicht auf histologischen Diagnosekriterien.

[16] Mällinen et al. (2019) – Neoplasierisiko bei periappendikulärem Abszess

Literaturangabe: Mällinen J, Rautio T, Grönroos J, Rantanen T, Nordström P, Savolainen H, et al. Risk of Appendiceal Neoplasm in Periappendicular Abscess in Patients Treated With Interval Appendectomy vs Follow-up With Magnetic Resonance Imaging: 1-Year Outcomes of the Peri-Appendicitis Acuta Randomized Clinical Trial. JAMA Surg. 2019;154(3):200-207. doi:10.1001/jamasurg.2018.4373. PMID 30484824.

Abstract-Zusammenfassung: Die randomisierte PeriAPPAC-Studie verglich nach konservativer Therapie eines periappendikulären Abszesses die Intervallappendektomie mit einer MRT-basierten Nachbeobachtung. Sie wurde nach Einschluss von 60 Patienten vorzeitig beendet, weil bei 12 Patienten (20 %) eine Neoplasie entdeckt wurde; bei über 40-Jährigen war der Anteil besonders hoch. Aufgrund der kleinen, früh gestoppten Studie sind die Zahlen vorsichtig zu interpretieren, verdeutlichen aber die Bedeutung der Tumorsuche in dieser Situation.


 

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