Tetracyclin
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Tetracyclin ist ein bakteriostatisches Breitbandantibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline. Es hemmt die bakterielle Proteinsynthese durch Bindung an die 30S-Untereinheit des Ribosoms und wirkt gegen eine Vielzahl von grampositiven und gramnegativen Bakterien sowie intrazelluläre Erreger.
Wirkmechanismus
- Reversibel bindend an die 30S-Ribosomen-Untereinheit, blockiert die Anlagerung der tRNA
- Hemmt die bakterielle Proteinsynthese und verhindert weiteres Wachstum
- Wirkt gegen Chlamydien, Mykoplasmen, Rickettsien, Borrelien und einige gramnegative Bakterien
Indikationen
- Atypische Pneumonien (z. B. Chlamydien, Mykoplasmen)
- Borreliose, Brucellose, Rickettsiosen
- Akne und Rosazea (langfristige Anwendung möglich)
- Helicobacter-pylori-Eradikation in Kombinationstherapie
Resistenzen und Besonderheiten
- Resistenzentwicklung durch Effluxpumpen oder Ribosomenmodifikation
- Orale Bioverfügbarkeit durch Kalzium, Magnesium, Eisen gehemmt → keine Einnahme mit Milchprodukten
- KI: Schwangerschaft, Kinder < 8 Jahre (Zahnverfärbungen, Wachstumsstörungen)
Besondere Hinweise
- Häufige Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Photosensibilität
- Seltene schwere Nebenwirkungen: Lebertoxizität, Pseudotumor cerebri
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Tight Junction
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Tight Junctions ( Zonula occludens) sind zelluläre Verbindungsstrukturen, die Epithel- und Endothelzellen eng miteinander verbinden und eine selektiv durchlässige Barriere zwischen Zellkompartimenten bilden. Sie befinden sich am apikalen Pol der Zellen und regulieren den parazellulären Transport.
Struktur und Bestandteile
- Transmembranproteine: Claudine, Occludine, JAMs (Junctional Adhesion Molecules)
- Zytoplasmatische Adapterproteine: ZO-1, ZO-2, ZO-3 – verbinden Tight Junctions mit dem Aktin-Zytoskelett
Funktion
- Barrierefunktion: Kontrolle des parazellulären Durchtritts von Wasser, Ionen und Molekülen
- Polaritätskontrolle: Aufrechterhaltung der funktionellen Trennung zwischen apikaler und basolateraler Zellmembran
- Signalübertragung: Beteiligung an Zell-Zell-Kommunikation und Gewebehomöostase
Pathologische Relevanz
- Störung der Tight Junctions spielt eine Rolle bei entzündlichen Darmerkrankungen, Tumorinvasion und Blut-Hirn-Schranken-Störungen
- Verlust oder Umverteilung von Claudinen oder Occludinen kann zur erhöhten Permeabilität und Gewebeschädigung führen
Synonyms -
tight junctions,Zonula occludens
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TMB
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TMB ( Tumor Mutational Burden) bezeichnet die Anzahl somatischer Mutationen pro Megabase (Mut/Mb) im Tumorgenom. Ein hoher TMB korreliert mit einer erhöhten Tumorantigen-Belastung und kann die Immunogenität des Tumors beeinflussen.
Pathologische Relevanz
- Hoch-TMB (TMB-H): Tumoren mit vielen Mutationen können mehr Neoantigene exprimieren, was sie anfälliger für Immuntherapie macht.
- Niedrig-TMB (TMB-L): Tumoren mit wenigen Mutationen zeigen oft eine geringere Immunantwort.
- Krebserkrankungen mit häufig hohem TMB: Melanom, Lungenkarzinome, Blasenkarzinome, MSI-H-Tumoren.
Diagnostik
- Bestimmung mittels Next-Generation-Sequencing (NGS).
- TMB-Werte variieren je nach Panelgröße und Methode (häufig Cutoff: ≥10 Mut/Mb für TMB-H).
- TMB kann mit PD-L1-Expression oder MSI-Status kombiniert werden.
Therapeutische Relevanz
Synonyms -
tumor mutational burden
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TMPRSS2
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TMPRSS2 (Transmembrane Protease, Serine 2) ist ein Gen auf Chromosom 21q22.3, das für eine transmembrane Serinprotease kodiert. Es wird androgenreguliert und ist vor allem in der Prostata exprimiert.
Funktion
TMPRSS2 aktiviert Proteine durch proteolytische Spaltung und beeinflusst physiologische Prozesse. Seine genaue Rolle in der Prostata wird weiter erforscht.
Bedeutung bei Prostatakrebs
- Fusionen zwischen TMPRSS2 und Genen der ETS-Transkriptionsfaktor-Familie, insbesondere mit ERG, sind häufig.
- Die TMPRSS2-ERG-Genfusion führt zur Überexpression von ERG und fördert die Tumorentstehung.
- Diese Fusionen sind in etwa 40–80 % der Prostatakarzinome nachweisbar.
Klinische Relevanz
Die Identifizierung der TMPRSS2-ERG-Fusion dient als diagnostischer Marker und könnte für gezielte Therapien genutzt werden.
Synonyms -
TMPRSS2-Gens,TMPRSS2-Gen
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TNF-α
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Tumornekrosefaktor-α (TNF-α) ist ein proinflammatorisches Zytokin, das von Makrophagen, Monozyten und anderen Immunzellen produziert wird. Es spielt eine zentrale Rolle in der Immunabwehr, Entzündungsprozessen und Zellregulation.
Funktion
- Bindet an TNF-Rezeptoren (TNFR1, TNFR2) und aktiviert NF-κB sowie MAPK-Signalwege
- Fördert die Inflammation durch Hochregulation von Adhäsionsmolekülen und Chemokinen
- Induziert Apoptose in Tumorzellen, aber kann in chronischen Entzündungen auch die Tumorprogression fördern
Klinische Relevanz
- Autoimmunerkrankungen: TNF-α ist an der Pathogenese von Rheumatoider Arthritis, Morbus Crohn und Psoriasis beteiligt
- Therapeutische Hemmung: Einsatz von TNF-Blockern (Infliximab, Adalimumab, Etanercept) zur Behandlung chronischer Entzündungen
- Sepsis: Exzessive TNF-α-Freisetzung kann zu einem Zytokinsturm und Multiorganversagen führen
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TNM
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TNM ist ein klassifikatorisches System zur Beschreibung des Ausmaßes von Krebs, das auf drei Hauptkriterien basiert:
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T (Tumor): Bezieht sich auf die Größe und das lokale Ausmaß des Primärtumors. Es wird bewertet, wie groß der Tumor ist und ob er in benachbarte Gewebe eingewachsen ist. Die T-Klassifikation reicht von T0 (kein nachweisbarer Tumor) bis T4 (ein Tumor, der in benachbarte Strukturen eingewachsen ist).
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N (Nodus lymphaticus): Bezieht sich auf das Vorhandensein und die Anzahl befallener regionaler Lymphknoten. N0 bedeutet, dass keine Lymphknoten betroffen sind, während N1, N2 usw. angeben, wie viele Lymphknoten betroffen sind und in welchem Ausmaß.
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M (Metastasen): Bezieht sich auf das Vorhandensein von Fernmetastasen, also Tumorzellabsiedlungen in entfernten Organen oder Geweben. M0 bedeutet keine Fernmetastasen, während M1 auf das Vorhandensein von Metastasen hinweist.
Das TNM-System wird international anerkannt und hilft bei der Stadieneinteilung von Krebserkrankungen, der Planung von Behandlungen und der Beurteilung der Prognose.
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Toxin
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Toxine sind giftige Substanzen, die von Organismen produziert werden und biologische Strukturen oder Funktionen schädigen können. Sie kommen in Pflanzen, Tieren, Pilzen und Mikroorganismen vor.
Arten von Toxinen
- Exotoxine: Von Bakterien aktiv sezernierte Proteine mit spezifischer Wirkung (z. B. Botulinumtoxin, Diphtherietoxin)
- Endotoxine: Bestandteile der äußeren Membran gramnegativer Bakterien (Lipopolysaccharide, LPS), die starke Immunreaktionen auslösen
- Zytotoxine: Schädigen direkt Zellen, z. B. Shiga-Toxin
- Neurotoxine: Wirken auf das Nervensystem, z. B. Tetanustoxin
- Enterotoxine: Beeinflussen den Darm, z. B. Cholera-Toxin
Klinische Relevanz
- Mikrobielle Toxine spielen eine zentrale Rolle in Infektionskrankheiten
- Einige Toxine können gezielt therapeutisch genutzt werden (z. B. Botulinumtoxin in der Neurologie)
- Antitoxine und Impfstoffe bieten Schutz vor bestimmten bakteriellen Toxinen
Synonyms -
Toxine,toxische,toxisches,toxischer
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TP53
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Quelle: Thomas Splettstoesser CC BY-SA 3.0
Gen: Tumorsuppressorgen auf Chromosom 17p13.1. Funktion: Kodiert für das p53-Protein, das als "Wächter des Genoms" bezeichnet wird; es reguliert den Zellzyklus, fördert die DNA-Reparatur und induziert Apoptose bei irreparablen Schäden. Lokalisation: Vorwiegend im Zellkern, wo es als Transkriptionsfaktor wirkt.
Erkrankungen
- Li-Fraumeni-Syndrom: Keimbahnmutationen in TP53 führen zu einem erhöhten Risiko für verschiedene Krebsarten, einschließlich Sarkomen, Brustkrebs und Hirntumoren.
- Sporadische Tumoren: Somatische Mutationen in TP53 sind in über 50% aller menschlichen Tumoren nachweisbar und tragen zur Tumorentstehung bei.
Molekulare Merkmale
- Mutationen: Häufig Punktmutationen, die die DNA-Bindungsdomäne betreffen und die Fähigkeit zur Transkriptionsregulation beeinträchtigen.
- Regulation: p53 wird durch MDM2 negativ reguliert; Stresssignale wie DNA-Schäden führen zur Stabilisierung und Aktivierung von p53.
Kurz: TP53 ist ein zentrales Tumorsuppressorgen, dessen Mutationen häufig zur Krebsentstehung beitragen.
Synonyms -
P53, p53, p53-Mutationen
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TTF1
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TTF-1 (Thyroid Transcription Factor 1)
TTF-1 ist ein nukleärer Transkriptionsfaktor, kodiert durch das NKX2-1-Gen auf Chromosom 14q13. Er spielt eine zentrale Rolle in der Differenzierung von Lungen- und Schilddrüsengewebe und dient als immunhistochemischer Marker zur Identifikation bestimmter epithelialer Tumoren. Die Färbung ist nukleär.
- TTF-1-positiv:
- Adenokarzinome der Lunge (TTF-1+, CK7+, Napsin A+)
- Kleinzelliges Lungenkarzinom (TTF-1+, Synaptophysin+, Chromogranin+, CD56+)
- Papilläres und follikuläres Schilddrüsenkarzinom (TTF-1+, Thyreoglobulin+)
- TTF-1-negativ:
- Plattenepithelkarzinome der Lunge (TTF-1-, p40+, CK5/6+)
- Kolorektale Karzinome (TTF-1-, CK20+, CDX2+)
- Mammakarzinome (TTF-1-, CK7+, GATA3+)
- Hepatozelluläres Karzinom (TTF-1-, HepPar-1+, Arginase-1+)
- Urothelkarzinome (TTF-1-, CK7+, CK20+, GATA3+)
Klinische Relevanz
- Hochspezifischer Marker für Lungen- und Schilddrüsentumoren
- Hilfreich in der Differentialdiagnose pulmonaler Adenokarzinome vs. Metastasen
- Kombiniert mit Napsin A zur besseren Sensitivität für Lungenadenokarzinome
Synonyms -
TTF1:, TTF1 +,TTF1-,TTF1:-
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Tumor
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Ein Tumor bzw. eine Neoplasie ist pathologisch eine abnorme Gewebsvermehrung, die durch unkontrolliertes Zellwachstum entsteht. Tumoren können gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein. Benigne Tumoren wachsen langsam, dringen nicht in umliegendes Gewebe ein und bilden keine Metastasen. Maligne Tumoren hingegen zeigen invasives Wachstum, können in benachbarte Gewebe einwachsen und über Blut- oder Lymphbahnen Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Körperregionen bilden.
Synonyms -
Tumoren, Tumore, tumorös, Neoplasie
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Tumorheterogenität
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Tumorheterogenität beschreibt die Vielfalt von Zelltypen und Eigenschaften innerhalb eines Tumors (intratumorale Heterogenität) sowie zwischen Tumoren derselben Art bei verschiedenen Patienten (intertumorale Heterogenität). Diese Unterschiede betreffen genetische Mutationen, Zellfunktion, Wachstumsmuster und die Reaktion auf Therapien. Sie ist ein zentraler Faktor für die individuelle Anpassung von Behandlungsstrategien in der Onkologie.
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Tumorsuppressorgen
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Tumorsuppressorgene sind Gene, deren Proteinprodukte Zellproliferation, DNA-Reparatur und Apoptose regulieren, um unkontrolliertes Wachstum und Tumorbildung zu verhindern. Der Funktionsverlust eines Tumorsuppressorgens führt zur erhöhten Zellteilung und trägt zur Karzinogenese bei.
Verlust der Tumorsuppressorfunktion
- Nach der Knudson-Hypothese müssen beide Allele eines Tumorsuppressorgens inaktiviert werden, um die Tumorentstehung zu ermöglichen (Two-Hit-Hypothese).
- Germline-Mutationen (erster "Hit") in einem Tumorsuppressorgen (z. B. RB1) erhöhen das Risiko für einen zweiten somatischen "Hit" und führen zu erblichen Tumorsyndromen.
Mechanismen der Tumorsuppressoren
- Zellzykluskontrolle: Regulieren den Übergang zwischen Zellzyklusphasen (z. B. RB1, p53)
- DNA-Reparatur: Erkennen und korrigieren DNA-Schäden (z. B. BRCA1, BRCA2)
- Induktion der Apoptose: Fördern den programmierten Zelltod bei irreparablen Schäden (z. B. p53, PTEN)
- Inhibition von Wachstumsfaktorsignalwegen: Hemmen onkogene Signalwege (z. B. NF1, APC)
Beispiele für Tumorsuppressorgene
- p53 (TP53): Reguliert Zellzyklus und Apoptose, mutiert in über 50 % aller Tumoren
- RB1: Kontrolliert den G1/S-Übergang im Zellzyklus, Verlust führt zu Retinoblastom
- BRCA1/BRCA2: Essenziell für die homologe Rekombination in der DNA-Reparatur, assoziiert mit Brust- und Ovarialkarzinomen
- PTEN: Hemmt den PI3K/AKT-Signalweg, häufig in Prostata- und Endometriumkarzinomen inaktiviert
Klinische Relevanz
- Mutationen in Tumorsuppressorgenen sind häufige Treiber der Tumorentstehung
- Germline-Mutationen können erbliche Tumorsyndrome verursachen (z. B. Li-Fraumeni-Syndrom bei TP53-Mutationen)
- Therapeutische Strategien zielen auf die Reaktivierung oder Umgehung des Funktionsverlustes ab
Synonyms -
Tumorsuppressorgens,Tumorsuppressor
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Ulkus
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Ein Ulkus, auch Geschwür genannt, ist ein tiefreichender Gewebsdefekt, der sowohl in der Haut als auch in Schleimhäuten (z. B. im Magen, Darm oder an den Extremitäten) auftreten kann. Es entsteht durch eine Nekrose, also den Abbau oder Untergang von Gewebe, häufig infolge von Entzündungen, Infektionen, Durchblutungsstörungen oder anderen pathologischen Prozessen. Ein Ulkus reicht typischerweise bis in tiefere Gewebeschichten und heilt meist nur langsam oder unvollständig ab, oft mit Narbenbildung.
Ulkuskrankheiten, wie das Magengeschwür (Ulcus ventriculi) oder das Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni), sind häufig mit chronischen Entzündungen oder der Besiedelung mit Bakterien wie Helicobacter pylori assoziiert. Ulzera können erhebliche Beschwerden verursachen, darunter Schmerzen, Blutungen oder, in schweren Fällen, Perforationen. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und umfasst meist medikamentöse und manchmal chirurgische Maßnahmen.
Synonyms -
Ulcera,Ulzera,ulzerös,ulcerös,ulzerierend,Ulzeration,Ulzerierend,Ulzerierender,Magenulkus,Ulzerationen
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undifferenziert
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Undifferenziert bezeichnet in der Pathologie Tumorzellen, die keine charakteristischen Merkmale des ursprünglichen Gewebes aufweisen und in ihrer Struktur und Funktion stark abweichen. Diese Zellen zeigen eine hohe Anaplasie, was bedeutet, dass sie wenig oder keine spezialisierten Eigenschaften besitzen, die für das Gewebe typisch sind, aus dem sie stammen. Undifferenzierte Tumoren wachsen oft schneller und aggressiver, neigen eher zur Metastasierung und haben im Allgemeinen eine schlechtere Prognose als gut differenzierte Tumoren. Der Begriff wird häufig verwendet, um Tumoren zu klassifizieren, bei denen eine genaue Bestimmung der Ursprungszelle aufgrund der fehlenden Differenzierung nicht möglich ist.
Synonyms -
undifferenziertes, undifferenzierte
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Urease
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Urease ist ein Enzym, das Harnstoff in Ammoniak (NH₃) und Kohlendioxid (CO₂) spaltet. Es kommt in bestimmten Bakterien, Pilzen und Pflanzen vor und spielt eine wichtige Rolle im Stickstoffstoffwechsel.
Harnstoff-Hydrolyse durch Urease:
CO(NH₂)₂ + H₂O → 2 NH₃ + CO₂
Bakterielle Urease und klinische Relevanz
- Helicobacter pylori: Produziert Urease zur Neutralisation der Magensäure, was zur Gastritis und Ulkusbildung beiträgt
- Urease-positive Harnwegsinfektionen: Bakterien wie Proteus mirabilis erhöhen den Urin-pH durch Ammoniakbildung, fördern die Steinbildung (Struvit-Steine)
- Diagnostik: Urease-Test (z. B. CLO-Test) zur H. pylori-Nachweismethodik
Synonyms -
Ureaseaktivität
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