|
POLD1
|
POLD1 (DNA Polymerase Delta 1, Genlokus 19q13.33) kodiert die katalytische Untereinheit der DNA-Polymerase δ, welche eine zentrale Rolle bei der DNA-Replikation, der DNA-Reparatur und dem Proofreading neu synthetisierter DNA-Stränge spielt.
Molekularbiologie
- Verantwortlich vor allem für die Synthese des Lagging Strands während der DNA-Replikation
- Besitzt eine 3'→5'-Exonukleaseaktivität zur Korrektur fehlerhaft eingebauter Nukleotide (Proofreading)
- Arbeitet eng mit POLE, dem Mismatch-Repair-System und weiteren DNA-Reparaturmechanismen zusammen
Pathologische Bedeutung
- Pathogene POLD1-Mutationen führen zu einem Verlust der Proofreading-Funktion und einer stark erhöhten Mutationsrate
- Betroffene Tumoren zeigen häufig eine sehr hohe Tumormutationslast (TMB), teilweise mit ultrahypermutiertem Genom
- Die Mikrosatelliten können trotz hoher Mutationslast mikrosatellitenstabil (MSS) bleiben
Assoziierte Tumoren
Klinisch-pathologische Bedeutung
- Keimbahnmutationen verursachen das Polymerase-Proofreading-Associated Polyposis (PPAP)-Syndrom
- Prädiktiver Marker für ein mögliches Ansprechen auf Immuncheckpoint-Inhibitoren aufgrund der hohen Neoantigenlast
- Wichtige Differenzialdiagnose zu dMMR/MSI-H-Tumoren bei hoher TMB
|
|
POLE
|
POLE kodiert für die katalytische Untereinheit der DNA-Polymerase ε, die eine zentrale Rolle bei der DNA-Replikation und -Reparatur spielt. Das Gen befindet sich auf Chromosom 12q24.3.
Funktion
- DNA-Replikation: POLE ist für die Synthese des Leitstrangs während der DNA-Replikation verantwortlich.
- Proofreading-Aktivität: Besitzt eine 3'→5' Exonuklease-Aktivität zur Fehlerkorrektur, was die Replikationstreue erhöht.
Pathologische Relevanz
- Germline-Mutationen: Führen zum Polymerase-Proofreading-assoziierten Polyposis-Syndrom (PPAP), welches mit einem erhöhten Risiko für kolorektale und endometriale Karzinome verbunden ist.
- Somatische Mutationen: Besonders in der Exonuklease-Domäne führen sie zu ultramutierten Tumoren mit hoher Mutationslast, häufig beobachtet bei endometrialen und kolorektalen Karzinomen.
Diagnostik
- Genetische Tests: Sequenzierung des POLE-Gens zur Identifizierung von Mutationen, insbesondere bei Patienten mit multiplen Adenomen oder frühzeitigem Auftreten von Darmkrebs.
- Mutationsanalyse: Untersuchung auf somatische POLE-Mutationen in Tumorgewebe zur Bestimmung der Mutationslast und potenziellen Therapieansätzen.
Therapeutische Relevanz
- Immuntherapie: Tumoren mit POLE-Mutationen und hoher Mutationslast zeigen oft eine bessere Ansprechrate auf Immun-Checkpoint-Inhibitoren.
- Überwachung: Patienten mit PPAP-Syndrom benötigen intensive Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von malignen Veränderungen.
Synonyms -
POLE-mutierter
|
|
Pollakisurie
|
Pollakisurie bezeichnet eine vermehrte Frequenz der Blasenentleerung bei gleichzeitig normaler oder reduzierter Urinmenge pro Miktion. Sie ist ein häufiges urologisches Symptom und tritt typischerweise tagsüber auf.
Ursachen
- Harnwegsinfektionen: z. B. akute Zystitis
- Reizblase: idiopathisch oder neurogen
- Blasentumoren oder Blasensteine
- Prostatahyperplasie (bei Männern)
- Interstitielle Zystitis oder chronische Entzündungen
Abgrenzung
- Polyurie: Vermehrte Gesamturinmenge (z. B. bei Diabetes)
- Nykturie: Vermehrtes nächtliches Wasserlassen
- Dysurie: Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
Diagnostik
- Anamnese, Urinstatus, Urinkultur
- Ultraschall, ggf. Zystoskopie oder Urodynamik
Klinische Relevanz
- Pollakisurie ist ein Leitsymptom bei Harnwegsinfekten und Blasenfunktionsstörungen
- Erfordert differenzialdiagnostische Abklärung zur gezielten Therapie
|
|
Polyp
|
Ein Polyp ist eine Schleimhautwucherung, die in das Innere eines Hohlorgans wie Darm, Gebärmutter oder Nase hineinragt. Polypen können gestielt oder breitbasig sein. Der Begriff polypös beschreibt das Vorhandensein mehrerer Polypen oder eine polypenartige Wachstumsform. Manche Polypen, vor allem im Darm, haben ein Entartungsrisiko und werden daher oft überwacht oder entfernt.
Synonyms -
polypös, polypöse, polypoid, polypoider
|
|
Polypektomie
|
Die Polypektomie bezeichnet die endoskopische oder chirurgische Entfernung eines Polypen zur histopathologischen Diagnostik und/oder kurativen Therapie. Sie stellt einen zentralen Bestandteil der Vorsorge und Behandlung präkanzeröser Läsionen des Gastrointestinaltraktes dar.
Verfahren
- Schlingenpolypektomie: Abtragung mittels Diathermieschlinge
- Kaltabtragung (Cold Snare): Ohne Elektrokauterisation, v. a. bei kleinen Polypen
- Heißabtragung (Hot Snare): Mit Elektrokoagulation bei größeren Läsionen
- EMR: Endoskopische Mukosaresektion oberflächlicher Läsionen
- ESD: Endoskopische Submukosadissektion zur En-bloc-Resektion größerer Neoplasien
Pathologische Aufarbeitung
- Bestimmung von Histotyp, Dysplasiegrad und ggf. Invasionstiefe
- Beurteilung der Resektionsränder (R-Status)
- Dokumentation von Lymph- und Gefäßinvasion, Tumorbudding und weiteren Risikofaktoren bei Frühkarzinomen
Indikationen
- Adenome und serratierte Läsionen des Gastrointestinaltraktes
- Symptomatische oder blutende Polypen
- Frühe Neoplasien mit potenziell kurativer endoskopischer Therapie
Komplikationen
- Nachblutung
- Perforation
- Postpolypektomie-Syndrom nach thermischer Schädigung der Darmwand
Klinisch-pathologische Bedeutung
- Wesentliche Maßnahme zur Prävention des kolorektalen Karzinoms
- Ermöglicht häufig eine vollständige kurative Entfernung prämaligner Läsionen
- Die histopathologische Beurteilung bestimmt das weitere therapeutische Vorgehen
|
|
Polythelie
|
Polythelie bezeichnet das Vorhandensein von überzähligen Mamillen ( akzessorische Brustwarzen) zusätzlich zu den regulären. Diese entstehen entlang der sogenannten Milchleisten (Linea mammaria), die sich embryonal von der Axilla bis zur Leiste erstrecken.
Pathologische Relevanz
- Polythelie ist meist ein benignes, klinisch unbedenkliches Phänomen.
- In seltenen Fällen kann eine assoziierte ektopische Brustdrüse funktionell aktiv sein und z. B. während der Laktation anschwellen.
- Bei multiplen akzessorischen Mamillen kann eine Assoziation mit Nieren- oder Urogenitalanomalien bestehen (v. a. bei bestimmten genetischen Syndromen).
Vorkommen und Lokalisation
- Polythelie tritt in etwa 1–5 % der Bevölkerung auf.
- Die häufigsten Lokalisationen befinden sich submammär, entlang der Milchleiste.
- Seltener treten Mamillen außerhalb dieser Linie auf (atypische Polythelie).
Diagnostik
- Diagnose in der Regel klinisch, durch Inspektion.
- Histologisch zeigt sich typischerweise pigmentiertes Plattenepithel mit darunter liegenden Milchgängen oder rudimentärem Drüsengewebe.
Therapeutische Relevanz
- In der Regel ist keine Therapie erforderlich.
- Bei ästhetischer Beeinträchtigung oder Beschwerden kann eine chirurgische Exzision erfolgen.
- Histologische Aufarbeitung nach Exzision zur Abgrenzung gegenüber dermalen Tumoren empfohlen.
|
|
postprandial
|
Postprandial bezeichnet den Zeitraum nach der Nahrungsaufnahme, insbesondere in Bezug auf metabolische Prozesse wie den Blutzucker- und Hormonspiegel.
Klinische Relevanz
- Postprandiale Hyperglykämie: Erhöhter Blutzucker nach dem Essen, wichtig in der Diabetesdiagnostik
- Postprandiale Lipämie: Anstieg der Blutfette nach einer fettreichen Mahlzeit
- Postprandiales Dumping-Syndrom: Beschleunigte Magenentleerung mit Kreislaufreaktionen, z. B. nach Magenoperationen
|
|
Prädiktiver Marker
|
Ein prädiktiver Marker ist ein klinischer, histologischer oder molekularer Biomarker, der das Ansprechen oder Nichtansprechen auf eine bestimmte Therapie vorhersagt. Er dient der Auswahl einer individuellen, zielgerichteten Behandlung und ist damit ein zentraler Bestandteil der Präzisionsonkologie.
Eigenschaften
- Vorhersage des therapeutischen Nutzens einer spezifischen Behandlung
- Abgrenzung von prognostischen Markern, die den natürlichen Krankheitsverlauf unabhängig von der Therapie beschreiben
- Kann immunhistochemisch, molekularpathologisch oder serologisch bestimmt werden
Typische Beispiele
Klinisch-pathologische Bedeutung
- Grundlage der personalisierten Tumortherapie
- Vermeidung unwirksamer und potenziell toxischer Therapien
- Bestandteil nationaler und internationaler Therapiealgorithmen und Leitlinien
Synonyms -
Prädiktive Marker
|
|
Präneoplasie
|
Präneoplasien (auch: Präkanzerosen) sind zelluläre oder gewebliche Vorstufen maligner Tumoren mit erhöhtem Entartungsrisiko. Sie zeigen morphologische, molekulare oder funktionelle Veränderungen, die die Entwicklung eines Karzinoms begünstigen können.
Formen
- Obligate Präkanzerosen: Hohe Wahrscheinlichkeit der malignen Transformation (z. B. familiäre adenomatöse Polyposis, M. Bowen)
- Fakultative Präkanzerosen: Geringeres, aber nachweisbares Risiko (z. B. chronisch-entzündliche Schleimhautveränderungen, atypische Hyperplasien)
Beispiele
Pathologische Merkmale
Klinische Relevanz
- Frühzeitige Erkennung und Überwachung essenziell zur Tumorprävention
- Therapie kann medikamentös, endoskopisch oder chirurgisch erfolgen – je nach Risiko und Läsionstyp
Synonyms -
präneoplastische,Präkanzerose,Präkanzerosen,Präneoplasien,präneoplastisch,präneoplastisches,präneoplastische Entwicklung
|
|
Prävalenz
|
Prävalenz bezeichnet die Häufigkeit einer Krankheit oder eines Zustands in einer definierten Population zu einem bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb eines Zeitraums. Sie gibt an, wie viele Personen in einer Population eine bestimmte Erkrankung haben.
Arten der Prävalenz
- Punktprävalenz: Anteil der Betroffenen zu einem bestimmten Zeitpunkt
- Periodenprävalenz: Anteil der Betroffenen innerhalb eines definierten Zeitraums
- Lebenszeitprävalenz: Anteil der Personen, die im Laufe ihres Lebens die Erkrankung entwickeln
Klinische Relevanz
- Wichtige Maßzahl für Epidemiologie und Gesundheitsplanung
- Hilft bei der Einschätzung der Krankheitslast in einer Population
- Unterscheidung von Inzidenz, die die Neuerkrankungen in einem Zeitraum beschreibt
|
|
Progesteron
|
Progesteron ist ein Steroidhormon aus der Gruppe der Gestagene, das vor allem im Corpus luteum (Gelbkörper) der Ovarien sowie in geringerem Maße in der Nebennierenrinde und Plazenta gebildet wird. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung und Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft.
Physiologische Funktionen
- Induktion der sekretorischen Umwandlung des Endometriums nach der Ovulation
- Hemmung der Kontraktilität des Myometriums zur Vorbereitung auf eine potenzielle Implantation
- Mitwirkung an der Brustdrüsenentwicklung (zusammen mit Östrogenen)
- Unterdrückung des Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achsensignals zur Verhinderung einer weiteren Ovulation
Progesteronrezeptoren
- Wirkt über nukleäre Progesteronrezeptoren A und B (PRA, PRB)
- Rezeptorbindung führt zur Genregulation über hormonresponsible Elemente (HREs)
- Auch schnelle, nicht-genomische Wirkungen über membranständige Progesteronrezeptoren beschrieben
Pathologische Relevanz
- Progesteronrezeptor (PR)-Nachweis: Wichtiger prognostischer und prädiktiver Marker bei hormonabhängigen Tumoren wie Mammakarzinom und Endometriumkarzinom
- PR-positive Tumoren: meist differenzierter, besseres Ansprechen auf antihormonelle Therapie
Therapeutische Anwendung
- Bestandteil vieler hormoneller Kontrazeptiva
- Einsatz in der Lutealphasensubstitution bei assistierter Reproduktion
- Therapie hormonabhängiger Tumoren mit synthetischen Gestagenen (z. B. Medroxyprogesteron)
|
|
Prognose
|
In der Medizin bezeichnet Prognose die Vorhersage über den voraussichtlichen Verlauf einer Krankheit und das zu erwartende Ergebnis für den Patienten. Sie basiert auf verschiedenen Faktoren, darunter die Art und das Stadium der Erkrankung, der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten, histopathologische Merkmale (wie Differenzierung und Grading bei Tumoren) und Reaktionen auf Behandlungen. Prognosen können in quantitative Maße (z. B. Überlebensraten) oder qualitative Einschätzungen (z. B. Wahrscheinlichkeit von Komplikationen) unterteilt werden und sind wichtig für die Entscheidungsfindung bezüglich der Therapie und der Patientenberatung.
Synonyms -
prognostische, prognostisch, prognostisches
|
|
Progression
|
Progression bezeichnet in der Medizin das Fortschreiten einer Krankheit oder eines pathologischen Prozesses im Körper. Bei Krebserkrankungen beschreibt der Begriff das Wachstum und die Ausbreitung des Tumors, also die Zunahme seiner Größe, die Invasion in umliegendes Gewebe und potenziell die Bildung von Metastasen. Die Progression kann auf molekularen, zellulären und klinischen Ebenen beobachtet werden und ist häufig mit einer Verschlechterung der Prognose und dem Übergang zu einem fortgeschritteneren Krankheitsstadium verbunden.
Synonyms -
Tumorprogression
|
|
proinflammatorische Zytokine
|
Proinflammatorische Zytokine sind Signalmoleküle des Immunsystems, die entzündliche Prozesse fördern. Sie werden von Immunzellen wie Makrophagen, T-Zellen oder dendritischen Zellen produziert und regulieren die Rekrutierung und Aktivierung weiterer Immunzellen. Diese Zytokine sind essenziell für die Abwehr von Infektionen und Gewebeschäden, können aber bei Überaktivierung chronische Entzündungen und Gewebeschäden verursachen, wie bei Autoimmunerkrankungen, Sepsis oder Tumorentstehung.
Wichtige Beispiele:
Synonyms -
proinflammatorischer Zytokine
|
|
Promotor
|
Ein Promotor ist ein DNA-Abschnitt, der die Transkription eines Gens reguliert. Er befindet sich typischerweise stromaufwärts (5'-Richtung) des codierenden Bereichs eines Gens und dient als Bindungsstelle für die RNA-Polymerase und andere Transkriptionsfaktoren.
Funktion:
- Startpunkt der Transkription: Bestimmt, wo die RNA-Polymerase die RNA-Synthese beginnt.
- Transkriptionsrate: Regelt, wie häufig ein Gen transkribiert wird.
- Spezifität: Interagiert mit spezifischen Transkriptionsfaktoren, die zell- oder umgebungsspezifische Genexpression ermöglichen.
Aufbau:
- TATA-Box: Eine konservierte Sequenz (~25 Basenpaare vor dem Startpunkt), die die RNA-Polymerase positioniert.
- Regulatorische Elemente: Bindungsstellen für Aktivatoren oder Repressoren, die die Genexpression modulieren.
Promotoren spielen eine zentrale Rolle in der Genregulation und sind in der Pathologie relevant, da Mutationen oder epigenetische Modifikationen im Promotorbereich die Genexpression stören und zu Krankheiten wie Krebs führen können.
|