Tenesmus
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Tenesmen sind schmerzhafte, imperativ auftretende Entleerungsdränge des Rektums oder der Blase, oft mit unvollständiger Entleerung und krampfartigen Schmerzen.
Ursachen
Pathophysiologie
- Reizung sensorischer Nerven durch Entzündungen oder Tumoren
- Spastische Kontraktionen der Rektum- oder Blasenmuskulatur
Klinische Relevanz
- Leitsymptom entzündlicher Darmerkrankungen
- Abklärung bei anhaltenden oder blutigen Tenesmen
- Therapie richtet sich nach der Ursache (z. B. Entzündungshemmung, Spasmolytika)
Synonyms -
Tenesmen
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Tetracyclin
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Tetracyclin ist ein bakteriostatisches Breitbandantibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline. Es hemmt die bakterielle Proteinsynthese durch Bindung an die 30S-Untereinheit des Ribosoms und wirkt gegen eine Vielzahl von grampositiven und gramnegativen Bakterien sowie intrazelluläre Erreger.
Wirkmechanismus
- Reversibel bindend an die 30S-Ribosomen-Untereinheit, blockiert die Anlagerung der tRNA
- Hemmt die bakterielle Proteinsynthese und verhindert weiteres Wachstum
- Wirkt gegen Chlamydien, Mykoplasmen, Rickettsien, Borrelien und einige gramnegative Bakterien
Indikationen
- Atypische Pneumonien (z. B. Chlamydien, Mykoplasmen)
- Borreliose, Brucellose, Rickettsiosen
- Akne und Rosazea (langfristige Anwendung möglich)
- Helicobacter-pylori-Eradikation in Kombinationstherapie
Resistenzen und Besonderheiten
- Resistenzentwicklung durch Effluxpumpen oder Ribosomenmodifikation
- Orale Bioverfügbarkeit durch Kalzium, Magnesium, Eisen gehemmt → keine Einnahme mit Milchprodukten
- KI: Schwangerschaft, Kinder < 8 Jahre (Zahnverfärbungen, Wachstumsstörungen)
Besondere Hinweise
- Häufige Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Photosensibilität
- Seltene schwere Nebenwirkungen: Lebertoxizität, Pseudotumor cerebri
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Tight Junction
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Tight Junctions ( Zonula occludens) sind zelluläre Verbindungsstrukturen, die Epithel- und Endothelzellen eng miteinander verbinden und eine selektiv durchlässige Barriere zwischen Zellkompartimenten bilden. Sie befinden sich am apikalen Pol der Zellen und regulieren den parazellulären Transport.
Struktur und Bestandteile
- Transmembranproteine: Claudine, Occludine, JAMs (Junctional Adhesion Molecules)
- Zytoplasmatische Adapterproteine: ZO-1, ZO-2, ZO-3 – verbinden Tight Junctions mit dem Aktin-Zytoskelett
Funktion
- Barrierefunktion: Kontrolle des parazellulären Durchtritts von Wasser, Ionen und Molekülen
- Polaritätskontrolle: Aufrechterhaltung der funktionellen Trennung zwischen apikaler und basolateraler Zellmembran
- Signalübertragung: Beteiligung an Zell-Zell-Kommunikation und Gewebehomöostase
Pathologische Relevanz
- Störung der Tight Junctions spielt eine Rolle bei entzündlichen Darmerkrankungen, Tumorinvasion und Blut-Hirn-Schranken-Störungen
- Verlust oder Umverteilung von Claudinen oder Occludinen kann zur erhöhten Permeabilität und Gewebeschädigung führen
Synonyms -
tight junctions,Zonula occludens
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TNF-α
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Tumornekrosefaktor-α (TNF-α) ist ein proinflammatorisches Zytokin, das von Makrophagen, Monozyten und anderen Immunzellen produziert wird. Es spielt eine zentrale Rolle in der Immunabwehr, Entzündungsprozessen und Zellregulation.
Funktion
- Bindet an TNF-Rezeptoren (TNFR1, TNFR2) und aktiviert NF-κB sowie MAPK-Signalwege
- Fördert die Inflammation durch Hochregulation von Adhäsionsmolekülen und Chemokinen
- Induziert Apoptose in Tumorzellen, aber kann in chronischen Entzündungen auch die Tumorprogression fördern
Klinische Relevanz
- Autoimmunerkrankungen: TNF-α ist an der Pathogenese von Rheumatoider Arthritis, Morbus Crohn und Psoriasis beteiligt
- Therapeutische Hemmung: Einsatz von TNF-Blockern (Infliximab, Adalimumab, Etanercept) zur Behandlung chronischer Entzündungen
- Sepsis: Exzessive TNF-α-Freisetzung kann zu einem Zytokinsturm und Multiorganversagen führen
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TNM
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TNM ist ein klassifikatorisches System zur Beschreibung des Ausmaßes von Krebs, das auf drei Hauptkriterien basiert:
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T (Tumor): Bezieht sich auf die Größe und das lokale Ausmaß des Primärtumors. Es wird bewertet, wie groß der Tumor ist und ob er in benachbarte Gewebe eingewachsen ist. Die T-Klassifikation reicht von T0 (kein nachweisbarer Tumor) bis T4 (ein Tumor, der in benachbarte Strukturen eingewachsen ist).
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N (Nodus lymphaticus): Bezieht sich auf das Vorhandensein und die Anzahl befallener regionaler Lymphknoten. N0 bedeutet, dass keine Lymphknoten betroffen sind, während N1, N2 usw. angeben, wie viele Lymphknoten betroffen sind und in welchem Ausmaß.
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M (Metastasen): Bezieht sich auf das Vorhandensein von Fernmetastasen, also Tumorzellabsiedlungen in entfernten Organen oder Geweben. M0 bedeutet keine Fernmetastasen, während M1 auf das Vorhandensein von Metastasen hinweist.
Das TNM-System wird international anerkannt und hilft bei der Stadieneinteilung von Krebserkrankungen, der Planung von Behandlungen und der Beurteilung der Prognose.
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Toxin
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Toxine sind giftige Substanzen, die von Organismen produziert werden und biologische Strukturen oder Funktionen schädigen können. Sie kommen in Pflanzen, Tieren, Pilzen und Mikroorganismen vor.
Arten von Toxinen
- Exotoxine: Von Bakterien aktiv sezernierte Proteine mit spezifischer Wirkung (z. B. Botulinumtoxin, Diphtherietoxin)
- Endotoxine: Bestandteile der äußeren Membran gramnegativer Bakterien (Lipopolysaccharide, LPS), die starke Immunreaktionen auslösen
- Zytotoxine: Schädigen direkt Zellen, z. B. Shiga-Toxin
- Neurotoxine: Wirken auf das Nervensystem, z. B. Tetanustoxin
- Enterotoxine: Beeinflussen den Darm, z. B. Cholera-Toxin
Klinische Relevanz
- Mikrobielle Toxine spielen eine zentrale Rolle in Infektionskrankheiten
- Einige Toxine können gezielt therapeutisch genutzt werden (z. B. Botulinumtoxin in der Neurologie)
- Antitoxine und Impfstoffe bieten Schutz vor bestimmten bakteriellen Toxinen
Synonyms -
Toxine,toxische,toxisches,toxischer
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Tumor
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Ein Tumor bzw. eine Neoplasie ist pathologisch eine abnorme Gewebsvermehrung, die durch unkontrolliertes Zellwachstum entsteht. Tumoren können gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein. Benigne Tumoren wachsen langsam, dringen nicht in umliegendes Gewebe ein und bilden keine Metastasen. Maligne Tumoren hingegen zeigen invasives Wachstum, können in benachbarte Gewebe einwachsen und über Blut- oder Lymphbahnen Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Körperregionen bilden.
Synonyms -
Tumoren, Tumore, tumorös, Neoplasie
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Tumorheterogenität
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Tumorheterogenität beschreibt die Vielfalt von Zelltypen und Eigenschaften innerhalb eines Tumors (intratumorale Heterogenität) sowie zwischen Tumoren derselben Art bei verschiedenen Patienten (intertumorale Heterogenität). Diese Unterschiede betreffen genetische Mutationen, Zellfunktion, Wachstumsmuster und die Reaktion auf Therapien. Sie ist ein zentraler Faktor für die individuelle Anpassung von Behandlungsstrategien in der Onkologie.
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