DNA-Schädigung
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DNA-Schädigung bezeichnet strukturelle Veränderungen der Desoxyribonukleinsäure (DNA), die durch exogene oder endogene Einflüsse entstehen und die genetische Integrität gefährden.
Ursachen
Typen von DNA-Schäden
- Basenmodifikationen
- Einzelstrangbrüche (SSB)
- Doppelstrangbrüche (DSB)
- Quervernetzungen, Pyrimidindimere, Crosslinks
Pathophysiologische Bedeutung
- Führt unbehandelt zu Mutationen, Genominstabilität und Karzinogenese
- Zellen reagieren mit Zellzyklusarrest, Apoptose oder DNA-Reparaturmechanismen
Klinische Relevanz
- DNA-Schädigung ist Ziel vieler Krebsmedikamente (z. B. Platinverbindungen, Alkylanzien)
- Defekte in Reparaturmechanismen (z. B. BRCA-Mutationen) erhöhen die Anfälligkeit für Tumoren und sind therapeutisch nutzbar (z. B. durch PARP-Inhibitoren)
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Drüsenkörperzysten
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Drüsenkörperzyste
Drüsenkörperzysten sind zystisch erweiterte Fundus- oder Korpusdrüsen in der Lamina propria, ausgekleidet von unauffälligem Zylinderepithel. Es handelt sich um reaktive, nicht-neoplastische Veränderungen, die häufig als Nebenbefund in Biopsien aus dem Magen vorkommen.
Histologische Merkmale
- Rundliche, glatte Zysten mit einschichtigem Zylinderepithel
- Oft mit Parietal- und Hauptzellen, gelegentlich mit Becherzellen
- Keine Atypien oder Dysplasie
- Häufig im Rahmen von chronischer Gastritis oder Regeneratprozessen
- Langzeittherapie mit Protonenpumpeninhibitoren (PPI) kann die Bildung begünstigen – durch Stimulation des Drüsenwachstums und Sekretionsstau
- Gelegentlich auch bei Helicobacter pylori-assoziierten Veränderungen
Diagnostische Relevanz
- Gutartige, nicht präkanzeröse Läsion
- Wichtig zur Abgrenzung von zystischen Neoplasien wie Fundusdrüsenpolypen oder zystischen muzinösen Läsionen
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drüsig
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Drüsen bzw. drüsig beschreibt in der Pathologie eine Gewebestruktur, die aus Zellen besteht, die in Drüsenform angeordnet sind oder sekretorische Eigenschaften besitzen. Drüsige Muster finden sich typischerweise in Organen wie der Brustdrüse, der Prostata oder dem Darm, aber auch in Tumoren, insbesondere Adenokarzinomen, die aus drüsenbildenden Epithelzellen entstehen. Drüsige Tumoren weisen häufig auf eine Herkunft aus sekretorischen Epithelien hin und zeigen unter dem Mikroskop röhrenartige, azinäre oder alveolare Strukturen.
Synonyms -
drüsiges, drüsige, Drüsen, Drüse, drüsige Differenzierung, drüsiges Wuchsmuster, Drüsenstruktur, drüsigen, Drüsenstrukturen
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Dyspepsie
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Dyspepsie beschreibt unspezifische Oberbauchbeschwerden, die mit Symptomen wie Völlegefühl, Schmerzen, Übelkeit oder Aufstoßen einhergehen. Sie kann funktionell oder organisch bedingt sein.
Ursachen
- Funktionelle Dyspepsie: Keine nachweisbare organische Ursache, oft mit gestörter Magenmotilität assoziiert
- Organische Dyspepsie: Magenerkrankungen wie Refluxkrankheit, Gastritis, Ulkus oder Helicobacter pylori-Infektion
- Medikamente: NSAIDs, Antibiotika oder Eisenpräparate als mögliche Auslöser
Klinische Relevanz
- Abklärung bei Alarmsymptomen wie Gewichtsverlust, Anämie oder Erbrechen erforderlich
- Diagnostik durch Gastroskopie, H. pylori-Testung oder Funktionsuntersuchungen
- Therapie je nach Ursache: Protonenpumpeninhibitoren, Prokinetika oder Ernährungsanpassung
Synonyms -
dyspeptische Beschwerden,Dyspeptische Beschwerden
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Dysphagie
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Dysphagie bezeichnet eine Störung des Schluckvorgangs, bei der das Kauen, Transportieren oder Schlucken von Nahrung und/oder Flüssigkeit erschwert oder schmerzhaft ist. Sie kann funktionelle oder mechanische Ursachen haben und betrifft meist den Oropharynx oder die Speiseröhre.
Klassifikation
- Oropharyngeale Dysphagie: Störung beim Einleiten des Schluckakts, z. B. bei neurologischen Erkrankungen (z. B. Schlaganfall, Parkinson)
- Ösophageale Dysphagie: Passageprobleme im Bereich der Speiseröhre, z. B. durch Stenosen, Tumoren, Achalasie
Pathologische Relevanz
- Chronische Entzündungen (z. B. Refluxösophagitis, eosinophile Ösophagitis)
- Neoplasien der Speiseröhre (z. B. Plattenepithelkarzinom, Adenokarzinom)
- Strikturen nach Verätzungen oder Bestrahlung
Klinische Relevanz
- Leitsymptom bei ösophagealen Raumforderungen
- Abklärung mittels Endoskopie, radiologischer Schluckdiagnostik oder Manometrie
- Kann mit Aspirationsgefahr und Malnutrition einhergehen
Synonyms -
Schluckstörungen,Schluckstörung
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Dysplasie
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Dysplasie bezeichnet in der Pathologie eine abnorme Zell- und Gewebestruktur, die eine Vorstufe zu malignen Veränderungen darstellen kann. Sie ist durch unregelmäßige Zellgrößen, abweichende Zellformen, veränderte Zellkerne und eine gestörte Zellarchitektur gekennzeichnet. Dysplasien entstehen häufig in Epithelgeweben und werden nach Schweregrad eingeteilt (leicht, mittel, schwer). Sie sind oft reversibel, können jedoch bei fortschreitender Veränderung zu einer präkanzerösen Läsion und letztlich zu einem Karzinom führen. Dysplasie ist daher ein wichtiger Befund in der Früherkennung von Krebserkrankungen.
Synonyms -
dysplastische, dysplastisch, dysplastisches
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Dysurie
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Dysurie bezeichnet schmerzhaftes oder erschwertes Wasserlassen. Sie ist ein häufiges Symptom, das durch Reizungen oder Entzündungen der Harnwege (z. B. bei Harnwegsinfektionen, Prostatitis oder Urethritis) verursacht wird. Typische Beschwerden sind Brennen, Stechen oder Druckgefühl während der Miktion. Dysurie kann auch bei obstruktiven oder funktionellen Störungen der Harnwege auftreten.
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ECL-Zell-Hyperplasie
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ECL-Zell-Hyperplasie bezeichnet eine reaktive Vermehrung der enterochromaffin-like (ECL)-Zellen im Fundus des Magens. ECL-Zellen sind neuroendokrine Zellen, die Histamin produzieren und über Gastrinrezeptoren die Magensäuresekretion stimulieren.
- Stimulation durch chronisch erhöhte Gastrinspiegel (Hypergastrinämie)
- Ursachen: chronisch atrophische Gastritis (Typ A), Zollinger-Ellison-Syndrom, langfristige PPI-Therapie
Histologische Formen
- Lineare Hyperplasie: Vermehrte ECL-Zellen entlang der Basalmembran der Drüsen
- Mikronoduläre Hyperplasie: Kleine, umschriebene Zellaggregate im Korpus-Fundus-Bereich
Abgrenzung zu NET
- ECL-Zell-Hyperplasie: Reaktive, nicht-neoplastische Veränderung
- Gastrales NET: Neoplastisch, meist aus vorbestehender ECL-Hyperplasie entstanden
- Grenze: NET bei Läsionen > 0,5 mm mit destruktivem Wachstum und Umgebungsreaktion (z. B. Fibrose, Gefäßinfiltration)
Klinische Bedeutung
- Hinweis auf chronische Hypergastrinämie → Abklärung zugrunde liegender Ursache
- Kann Übergang zu Typ 1 oder Typ 2 gastralen NET markieren
Synonyms -
ECL-Zellhyperplasie
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EGFR
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EGFR (Epidermal Growth Factor Receptor, Chromosom 7p11.2) ist eine membranständige Tyrosinkinase aus der HER/ERBB-Familie. Er wird durch Bindung von Liganden wie EGF oder TGF-α aktiviert und spielt eine zentrale Rolle in Zellproliferation, Differenzierung und Überleben.
Pathologische Relevanz
- EGFR-Überexpression: Häufig bei verschiedenen Tumoren, darunter nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC), Kolorektalkarzinom und Glioblastom.
- EGFR-Mutationen: Besonders relevant bei NSCLC, wo Exon-19-Deletion oder die L858R-Mutation (Exon 21) zur konstitutiven Aktivierung führen.
- Kolorektalkarzinom: EGFR kann überexprimiert sein, jedoch ist die Wirksamkeit von Anti-EGFR-Therapien wie Cetuximab oder Panitumumab abhängig vom RAS-Mutationsstatus (KRAS/NRAS-Wildtyp erforderlich).
Diagnostik
- Nachweis von EGFR-Überexpression mittels Immunhistochemie (IHC).
- Mutationsanalyse mittels PCR oder Next-Generation-Sequencing (NGS) für gezielte Therapieansätze.
- Bestimmung des RAS-Mutationsstatus bei Kolorektalkarzinomen vor Anti-EGFR-Therapie.
Therapeutische Relevanz
- Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKIs): Erlotinib, Gefitinib, Osimertinib für EGFR-mutiertes NSCLC.
- Monoklonale Antikörper: Cetuximab, Panitumumab bei EGFR-positivem, RAS-Wildtyp-Kolorektalkarzinom.
- Resistenzmechanismen: T790M-Mutation im NSCLC führt zu Resistenz gegen Erstgenerations-TKIs, Ansprechen auf Osimertinib.
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Ekzem
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Ekzem (auch: Dermatitis) ist ein nicht infektiöser, entzündlicher Hautzustand, der durch Rötung, Juckreiz, Schuppung, Nässen und ggf. Bläschenbildung gekennzeichnet ist. Es handelt sich um eine häufige Reaktion der Haut auf exogene Reize (z. B. Allergene, Irritantien) oder endogene Dispositionen.
Typen (Beispiele)
- Atopisches Ekzem: Chronisch-rezidivierend, oft bei atopischer Diathese (z. B. Heuschnupfen, Asthma)
- Kontaktallergisches Ekzem: Typ-IV-Reaktion nach Allergenkontakt (z. B. Nickel, Duftstoffe)
- Irritativ-toxisches Ekzem: Durch direkte Schadwirkung von Chemikalien, häufig an Händen
- Seborrhoisches Ekzem: Fette Hautareale, assoziiert mit Malassezia-Hefen
Histologie
- Spongiose: Interzelluläres Ödem der Epidermis
- Lymphozytäres Infiltrat in der Dermis (perivaskulär)
- Intraepidermale Vesikel (bei akuten Formen)
- Hyperkeratose und Akanthose (bei chronischem Verlauf)
Klinische Relevanz
- Sehr häufige dermatologische Diagnose
- Therapie je nach Ursache: topische Kortikosteroide, Calcineurininhibitoren, Barriereschutz
- Bei allergischem Ekzem: Allergiediagnostik (Epikutantest)
Synonyms -
Dermatitis
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Emesis
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Erbrechen ( Emesis) ist die reflektorische Entleerung des Mageninhalts über den Mund, ausgelöst durch zentrale oder periphere Reize. Es handelt sich um einen komplexen Schutzmechanismus des Körpers, z. B. bei Toxinen oder gastrointestinaler Reizung.
Pathophysiologie
- Gesteuert im Brechzentrum der Medulla oblongata
- Reize über:
- Area postrema (Chemorezeptor-Triggerzone, z. B. Medikamente, Toxine)
- Viszerale Afferenzen (z. B. Magendehnung, Entzündungen)
- Vestibuläres System (z. B. Reisekrankheit)
- Höhere Zentren (z. B. Gerüche, Emotionen)
- Neurotransmitter: Dopamin, Serotonin (5-HT3), Histamin, Acetylcholin, Substanz P
Klinische Relevanz
- Ursachen vielfältig: gastrointestinal, zerebral, vestibulär, medikamentös
- Wichtiges Symptom bei Intoxikation, Migräne, Gastroenteritis, erhöhter intrakranieller Druck u. a.
- Therapie richtet sich nach Ursache und beinhaltet ggf. Antiemetika
Synonyms -
Erbrechen
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Entzündung
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Entzündung ist eine komplexe biologische Reaktion des Immunsystems auf Gewebeschädigung durch Infektionen, physikalische oder chemische Reize. Sie dient der Elimination schädigender Faktoren und der Gewebereparatur.
- Schnelle Immunantwort mit klassischen Zeichen: Rötung (Rubor), Schwellung (Tumor), Wärme (Calor), Schmerz (Dolor), Funktionsverlust (Functio laesa)
- Dominiert durch Neutrophile Granulozyten
- Typische Ursachen: Infektionen, Trauma, Verbrennungen
- Beispiel: Appendizitis
Klinische Relevanz
- Unterscheidung zwischen akuter und chronischer Entzündung wichtig für Therapie
- Chronische Entzündungen können zu Organschäden, Karzinogenese oder Fibrosen führen
- Therapie je nach Ursache: Antibiotika, Steroide, Immunsuppressiva
Synonyms -
Inflammation,entzündlich,Entzündungsmuster,Entzündungsreaktion,chronisch-entzündlich,chronisch-entzündliche,chronisch-entzündliches
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Eosinophiler
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Eosinophile Granulozyten (kurz Eosinophile) sind spezialisierte, polymorphkernige Leukozyten, die eine zentrale Rolle bei allergischen Reaktionen, parasitären Infektionen und bestimmten chronisch-entzündlichen Erkrankungen spielen. Ihr Zytoplasma enthält charakteristische, eosinophil anfärbbare Granula mit toxischen Proteinen.
Physiologie und Aktivierung
- Entstehung im Knochenmark unter Kontrolle von IL-5, IL-3 und GM-CSF
- Migration ins Gewebe über eotaxin-vermittelte Chemotaxis (v. a. CCL11 über CCR3)
- Aktivierung durch IgE-vermittelte Mechanismen, Zytokine oder Pathogenkontakt
Molekularpathologie
- Granula enthalten zytotoxische Proteine wie Major Basic Protein (MBP), Eosinophil Cationic Protein (ECP) und Eosinophil-derived Neurotoxin (EDN)
- Diese führen zur Schädigung von parasitären Strukturen, aber auch zur epithelialen Zellschädigung bei autoimmunen oder allergischen Prozessen
- Bei chronischer Aktivierung: Fibrose, Remodelling, Gewebeschädigung (z. B. in Lunge, GI-Trakt)
Pathophysiologie
Diagnostische Relevanz
- Histologie: Nachweis eosinophiler Infiltrate in Biopsien (z. B. GI-Trakt, Haut, Lunge)
- Blutbild: Eosinophilie >500/µl → Hinweis auf systemische oder lokale Aktivierung
- Molekular: Genetische Veränderungen bei hypereosinophilen Syndromen (z. B. FIP1L1-PDGFRA-Fusion)
Synonyms -
Eosinophilenzahl,eosinophile Granulozyten,Eosinophilie,Eosinophilen,Eosinophile, eosinophiler Granulozyt
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Epigenetik
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Epigenetik befasst sich mit erblichen Veränderungen der Genfunktion, die nicht auf Veränderungen der DNA-Sequenz beruhen. Diese Modifikationen regulieren die Genexpression und sind reversibel.
Mechanismen:
- DNA-Methylierung: Hinzufügen von Methylgruppen an Cytosinbasen, was Gene stilllegen kann.
- Histonmodifikationen: Veränderungen wie Acetylierung oder Methylierung beeinflussen die Verpackung der DNA und somit den Zugang der Transkriptionsmaschinerie.
- Nicht-kodierende RNAs: Regulieren die Genexpression posttranskriptionell.
Epigenetische Veränderungen spielen eine zentrale Rolle in der Tumorentstehung und -progression, da sie:
Da epigenetische Modifikationen reversibel sind, bieten sie vielversprechende Ansätze für Therapien, wie den Einsatz von DNA-Methyltransferase-Inhibitoren oder Histon-Deacetylase-Inhibitoren.
Synonyms -
epigenetisch,epigenetische,epigenetischer,epigenetische Dysregulation,Epigenetische,epigenetische Veränderungen,Hypermethylierung,Histonmodifikationen
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ERG
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ERG (ETS-related gene) ist ein Gen auf Chromosom 21q22.3, das für einen Transkriptionsfaktor der ETS-Familie kodiert. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation von Genen, die für Zellproliferation, Migration, Angiogenese und Zellüberleben verantwortlich sind.
Funktion
ERG bindet an spezifische DNA-Sequenzen und reguliert die Expression von Genen, die an Prozessen wie der Differenzierung von Endothelzellen und der Zelladhäsion beteiligt sind. Es beeinflusst auch Signalwege, die das Zellwachstum kontrollieren, insbesondere in vaskulären und epithelialen Geweben.
Bedeutung bei Prostatakrebs
- Die häufigste genetische Veränderung in Prostatakarzinomen ist die Fusion zwischen dem androgenregulierten TMPRSS2-Gen und dem ERG-Gen.
- Diese TMPRSS2-ERG-Genfusion führt zur Überexpression von ERG, was die Proliferation von Tumorzellen fördert, die Zelladhäsion verringert und die Invasion erleichtert.
- Die Fusion ist in etwa 40–80 % der Prostatakarzinome nachweisbar, insbesondere in hormonabhängigen Tumoren.
Klinische Relevanz
- Die TMPRSS2-ERG-Fusion wird als potenzieller prognostischer und diagnostischer Marker in der Prostatakrebsdiagnostik verwendet.
- Die Fusion ist mit aggressiveren Tumorformen und einem erhöhten Risiko für Metastasen assoziiert.
- Zielgerichtete Therapien, die auf die molekularen Veränderungen durch ERG abzielen, werden derzeit erforscht.
Synonyms -
ERG-Gen,ERG-Genfusionen
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